Jedes Gewässer tickt anders !

 2018 Ich befand mich im Urlaub, dass dritte mal an der Müritz, genauer am Tiefwarensee. Natürlich mit einem Wassergrundstück, wie sich das für einen Angler gehört. Die Ruten zusammen gesteckt und ich begann mit dem Ausloten. Schnell kam ich mit  Gerät und Material an meine Grenzen. Senkrecht vor dem Stegende war die Wassertiefe ca. vier Meter. Ein leichter Überkopfwurf und die sechs Meter waren erreicht. Meine Matchruten waren der Situation nicht gewachsen. Der Stopper und die kleinen Ösen  bereiteten mir Schwierigkeiten. Ließ ich die Montage mit dem Stopper außerhalb des Spitzenringes, war ein Auswerfen aufgrund der eingestellten Tiefe nicht möglich. Zog ich den Stopper mit ein, konnte dieser kaum die feinen Ösen durchlaufen. Wie immer hatte ich noch zwei Allroundruten mit. Mit deutlich größerer Beringung war ein Angeln möglich. Da ich auch in den Abend und Nachtstunden angelte, montierte ich zwei Freilaufrollen mit einer 25 mm monofilen Schnur. Schon wurde ich vor die nächste Herausforderung gestellt. Meine zwei+zwei Gramm Waggler, welche für unsere flachen, heimischen Altärme vollkommen ausreichen, waren nicht für diesen Schnurdurchmesser und Gewässertiefe geeignet. Das Ablaufen der Pose wurde durch diese Bedingungen enorm erschwert. Zum Glück hatte ich noch zwei vorgebleite drei+drei Gramm Posen mit. Da sah die Welt gleich ganz anders aus. Das Ablaufen verlief deutlich sauberer. Klar, liegt eine Grundmontage bei den Gegebenheiten nahe. Das habe ich auch gemacht und ich stand vor dem nächsten Problem. Trotz Anfüttern war in einigen Metern Entfernung kaum Fisch an den Haken zu bekommen.  In Ufernähe war die Situation  kompltt anders. Außerdem muss ich gestehen, dass ich ein Fan von Posen bin. Die Bisserkennung durch diese, gibt für mich einen besonderen Reiz. Durch das Beschriebene verbrachte ich einige Zeit mit dem Ausprobieren verschiedener Montagen, bis ich meinen Weg gefunden hatte. Die Mission Friedfisch, war somit für das 40m tiefe Gewässer erledigt . Als leidenschaftlicher Hechtangler, kam nun die Herausforderung, den Raubfisch nachzustellen. Die erste Nacht war zu ende und ich begab mich mit Sonnenaufgang an das Wasser. Einige Würfe und der erste Hecht hing am Haken. Das geht ja gut los, dachte ich mir. Am folgenden  Tag folgte der nächste Esox. Die Barsche wollte nicht. Verschiedenste Kunstköder probierte ich aus. Auf Sicht zog ich die Köder an den Fischen vorbei. Die Fische hatten keine Interesse. Zog ich einen Wurm auf den Haken, kamen die Bisse in Kürze. Im nahegelegenden Angelladen, beim ansässigen Fischer holte ich mir Infos. Von Natur aus angele ich auf den Esox mit großen Kunstködern. Dies wurde mir für diese Jahreszeit bestätigt. Köder über 20 cm waren Trupf. Für mich kein Problem. Meine Box war voll mit diesen. Als Fangort wurde mir das Freiwasser in ca. 15m Wassertiefe benannt. Ich hatte kein Echolot, nur eine Gewässerkarte. Schnell merkt ich , dass meine Jigköpfe viel zu leicht waren. Für heimische Gewässer vollkommen ausreichend. Hier an den Seen eine Witznummer. Ab, erneut in das Angelgeschäfft. Standatrtköpfe waren hier ab 25g aufwärts. Ich holte mir einige und es war auch absolut sinnvoll mit diesen Gewichten zu angeln, um auf die nötige Tiefe zu kommen.

Was nehmen ich aus diesen Erfahrungen mit?

Oft schimpft man auf seine Hausgewässer und sucht nach Gründen, warum weniger gefangen wird. Ich fange in meinen Hausgewässern gut, weil ich gelernt habe diese zu verstehen. Ich kenne die Unterwasserstrukturen, Tiefen, den Aufenthalt der Fische zu den verschiedenen Jahreszeiten u.v.m.. Fremde Gewässer stellen mich jedes Jahr vor neue Herausforderungen. Auch wenn viel Fisch vorhanden ist, heißt das nicht, dass man fängt.

Naheliegend kommen wir zum nächsten Thema, die Beißzeiten. Ich glaube nicht an Beißzeiten, welche sich von Jahr zu Jahr übertragen. Für mich kann das auch nicht gehen. Das jetztige Jahr und das Letzte, gleichen sich in keinster Weise. Logischerweise spielt die Wetterlage eine ausschlaggebende Rolle. Kein Regen, tiefste Wasserstände, anhaltende Hitze, gab es in dieser Form das letzte Jahr nicht. KLar wirkt sich das auf das Beißverhalten aus. An der gleiche Stelle, mit gleicher Methode, habe ich letztes Jahr kapitale Aale und Schleie gelandet. Dieses Jahr habe ich dort nicht einen Aal bzw. Schleie gfangen. Vergangenes Jahr haben die Rapfen Tango getanzt. Dieses Jahr scheinen diese im Dauerschlaf. Ich könnte noch edliche Beispiele benennen.

Ich schließe an den obigen Artikel an. Ich spreche immer noch vom Müritzurlaub. Wir hatten einen goldenen Oktober. Es waren 22 Grad Durchschnittstemperatur, traumhaftes Herbstwetter. 17:oo landeten meine ersten Montagen im Wasser. Eine Plötze nach der anderen wurde gefangen. Kein anderer Fisch ging an den Haken. Die Sonne ging unter. 18:45 und die erste Brasse hing am Haken. Ab diesem Zeitpunkt bissen nur die Brassen, bis spätestens 21:00. Danach bewegte sich das Knicklicht keinen Zentimeter mehr. Am frühen Morgen bissen die Barsche, vereinzelt ein Hecht. Ab 10:00 war mit jeglicher Aktivität Schluss. 17:00 ging es dann wieder mit den Plötzen los, anschließed kamen wieder die Brassen. Sprichwörtlich konnte man die Uhr danach stellen. Das Spiel übte ich vier Tage aus. Dann sanken die Tages und Nachttemperaturen. Das gesammelte Erfahrung, war nun nichtig. Die Fische bissen deutlich vorsichtiger, in deutlich geringerer Stückzahl. Luftdruck, wind, Temperatur,Niederschläge, all diese Faktoren waren und werden für das Beißverhalten der Fische verantwotlich sein. Vielleicht mag ich aus anderer Sicht nicht Recht haben, aber das ist meine Meinung. Und noch ein Punkt scheint für das Beißverhalten verantwortlich zu sein. Ich stand auf meiem Steg und beobachtete die Wasservögel. Möven kamen am Morgen und umkreisten die Wasseroberfläche. Als ich unweit von mir eine Art Rauben wahrnahm, schaute ich genauer hin. Es war ein Cormoran. Dieser kam nicht von oben, sondern tauchte unbemerkt bis an mein Grundstück heran. Je mehr ich meinen Focus auf dieses Tier legte, desto deutlicher konnte ich seine Anwesenheit wahrnehmen.  Wir sprechen hier nicht von drei, vier Cormoranen, sondern von tausenden, welche sich in der Umgebung angesiedelt haben. Der Fisch wird in dem beschriebenen Zeitfenster, 10:00-17:00, den Schutz der Tiefe aufsuchen, um sich vor diesen Vögeln zu schützen. Zogen sich die Cormoran, Möwe und Haubentaucher zurück, fingen die Fische an zu beißen.

 

Warum verkrauten unsere Gewässe ?

Schon seit meiner Kindheit gibt es Gewässer, welche regelmäßig verkrauten. Seit einigen Jahren betrachte ich dies mit Sorge. Nehmen wir zum Beispiel einige unsere Saalealtärme. Bis vor vier Jahren waren diese meine  Stammgewässer. In allen Schichten befreit vom Kraut und Algen. Ich angelte bis in den Sommer in den Flachwasserzonen. Daran ist heute nicht mehr zu denken. Schon in den ersten Frühlingsmonaten verkrauten die Gewässer und das Angeln gestaltet sich schwierig . In den tieferen Zonen ist ein Angeln gut möglich. Der starke Krautbewuchs am Rand erschwert das Landen größerer Fische . Beim Spinnangeln schwenkt man zunehmend auf Baits um, welche für krautreich Gegebenheiten geschaffen sind. Der Sommer kommt und ein schmieriger Algenteppich bildet sich auf der Oberfläche. Bis spät in den Herbst hinein bleibt es schwierig zu angeln, sogar unmöglich. Wenige Gewässer verbleiben komplett krautfrei. Keine Ahnung woran das liegt. Meine Theorie ist die Überdüngung der anliegenden Felder. Sicherlich wird dies keiner zugeben. Wer logisch denkt, weiß wie viele Pestiziede, Düngemittel u.ä. auf den Feldern landen. Schaut euch unsere  Insektenwelt an. Wo sind Hummeln, Weberknechte, selbst die Fliegen sind selten. Ich kann mich im Sommer mit freien Oberkörper an eine Stelle setzen. Normal müssten mich Bremsen und Wespen auffressen. Ich kann eine länger Strecke mit meinem Auto fahren und es ist frei von Insekten. Und dann kommen anhaltende trockene Tage. Der Sauerstoff schwindet und ein Fischsterben steht an. In einer aktuellen Ausgabe einer bekannten Angelzeitschrift verdeutlichte ein Redakteur seine Meinung zum Thema. Er fügte noch hinzu, dass Wasserkontrollen zu 90% eine gute Wasserqualität aufweisen. Das passt allerdings nicht mit meiner Denkensweise über Pestiziede in unseren Gewässern überein. Also, woran liegt es ???

So sterben unsere Gewässer

 Mit Bedenken beoachte ich einen Altarm, welcher zunehmend an Wasserstand abnimmt. Selbst im Winter kommt geringfügig Wasser hinzu. Mit den Jahren ist die Lage aus meiner Sicht bedenklich. Selbst wenn ein erhöter Wasserstand der naheliegenden Saale vorhanden ist, steigt das Gewässer nicht. Umliegende Kleine Zuflüsse sind ebenfalls befreit von Wasser.  Durch genaue Beobachtungen können wir feststellen, dass der Fichbestand abnimmt. Tiefe Schutzzonen für den Fisch sind nicht mehr vorhanden. Ein leichtes Fressen für jeden Fischliebhaber. Jährlich fallendes Blattwerk und abgestorbenes Kraut geben dem Gewässer den Rest. Es gibt ja Personen, welche behaupten, die Natur erholt sich von selbst. Dazu gehört auch das Aussterben eines Biotopes, sowie die Neuentstehung. Maßnahmen zur Erhaltung können eingeleitet werden. Natürlch kosten diese Geld. Kleine Teiche und Seen sind ebenfalls von dieser Problematik betroffen.

Wir schreiben den 31.07.10. Es ist Hochsommer. Eine noch nie dagewesene Hitzewelle liegt über unserem Land. Die oben beschriebene Befürchtung ist eingetreten. Einige Gewässer sind ausgetrocknet und weitere Gewässer stehen kurz davor. Es ist nicht schön, diesen Prozess mit anzuschauen. Gewässer in denen wir vor Jahren Sternstunden erlebt haben, sterben aus. Das kotzt mich an, weil ich damit schöne Erinnerungen  verbinde. Ich stehe einfach nur doof da und muss das ganze Prozedere mit anschauen.

Wo sind all die Fische hin, wo sind sie geblieben ?

Die meisten von euch kennen den Fisch auf dem Bild. Ich bin mir sicher, dass viele diesen Fisch nie gesehen haben. Der Gründing, vor zwanzig Jahren hing dieser in jedem See, Teich, Fluß sofort am Haken. Er war massenhaft vertreten. Wo ist er heute ? Dieses Jahr  wurden beim Jugendangeln drei Stück gefangen. Verwundernd standen wir davor und betrachteten diese schönen Tiere.

 In unserer Jugendzeit war es keine Kunst einen Karpfen an den Haken zu bekomme. Während wir einen Ansitz tätigten. Auf das was beißt, hing irgendwann am Tag ein Karpfen dran. Wohlgemerkt waren dafür keine Boilies nötig. Zwiebackteig war der Allzweckköder, sowie der Wurm. Unter Freunden beschränkten wir uns auf eine bestimmte Zeit, mit dem Ziel, wer fängt die meisten Karpfen, Schleie. Das war keine Kunst. Wo sind heute die benannten Jungfische. Ein-Zweijährige hingen ständig an der Stipprute. Daran ist heute nicht zu denken. Ich weiß nicht, ob die Fische da sind. Jedenfalls die Kleinen der Arten sind seltenst zu fagen. Woran liegt das, sind die Laichbedingungen nicht mehr angemessen, wird zu viel Fisch entnommen ? Wird zu viel gefüttert, lernen die Fische dazu ? Wir denken die Laichbedingungen sind nicht mehr fördernd. Unsere Seen sind jährlich starken Laubbefall ausgesetzt, sowie absterbenden Wasserpflanzen. Diese hinterlassen einen Schlammigen Untergrund. Nicht selten konnten wir wahrnehmen, dass auf Grund gelegte Würmer nach kurzer Zeit starben. Sie wiesen einen stinkenden Geruch auf, wahrscheinlich erstickt. Hat das Auswirkungen auf den Laich ?

Barsche, was fingen wir an Barsche ? Kaum befand sich ein Wurm im Wasser hing ein Barsch daran. Heute kann ein Wurm einen Urlaub unter Wasser verbringen ohne einen Barsch zu Gesicht zu bekommen. Meine Erfahrungen haben aber auch gezeigt, dass es in den nördlichen Bundesländern genau das Gegenteil ist. Warum ist dies nicht bei uns der Fall ? Nach der Wende konnte man egal welchen Kunstköder nehmen und es wurden Barsche im Minutentackt gefangen. Das waren keine Minnibarsche sondern stolze Exemplare. Wo Sind diese hin ?

Zum Hecht, das war doch keine Kunst einen Hecht zu fangen. Das Blech rein, einmal durchleiern und dran hing er. Da waren starke Exemplare dabei. Heute habe ich so viele Kunstköder, dass ich ein Museum eröffnen kann. Ich bin ein leidenschaftlicher Hechtangler und beobachte die Situation mit Sorge. Ich fange meine Hechte, jedoch gestaltet es sich immer schwieriger eine schöne Mutti zu fangen. Wir angelten in Gewässern, welche selten auf Hecht beangelt wurden. Jene die einen Ruf hatten einen geringen Bestand aufzuweisen. Wir fingen und fingen viele Hechte. Irgendwann ist es mit dem Geheimhalten vorbei. Die Spinnangler kamen und fingen ebenfalls. Logisch reduzierte sich die Fangquote. Wir fangen immer noch unsere Hechte. Die meißten in einer Einheitsgröße 50-60 cm. Ich kenne auch Meinungen, der Hecht erholt sich immer von selbst! Mag sein aber eine kräftige Population mit dementsprechenden Abwehrstoffen hat es schwer. Ich persönlich bin für ein Entnahmefenster, ein Mindestmaß und ein Schonmaß, z.B. 0,6-0,8m. Andere Länderr machen es uns vor. Wir Deutschen machen mal wieder eine Wissenschaft daraus.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Stefan Strauch